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Hast du dich mal gefragt, wie ein Baby direkt nach der Geburt überleben kann, wo es doch noch fast nichts kann? Obwohl Neugeborene so klein und zerbrechlich wirken, haben sie einige erstaunliche angeborene Tricks auf Lager! Diese nennen wir „Reflexe“. Lass uns ein paar dieser Reflexe genauer anschauen und herausfinden, warum sie so wichtig sind.

Wenn du einem Baby deinen Finger oder einen Schnuller an die Lippen hältst, wird es sofort anfangen zu saugen. Das ist der Saugreflex. Er ist lebensnotwendig, weil er dem Baby hilft, Nahrung aufzunehmen – egal ob es gestillt wird oder aus der Flasche trinkt. Wenn ein Baby Hunger hat, sucht es sofort nach etwas, woran es saugen kann – manchmal sogar an seinem eigenen Finger. Der Saugreflex ist so stark, dass er sogar dann ausgelöst wird, wenn das Baby keinen Hunger hat. Eltern können diesen Reflex nutzen, um das Baby zu beruhigen, zum Beispiel mit einem Schnuller.
Ab etwa dem dritten Lebensmonat beginnt dieser Reflex nachzulassen, da das Baby lernt, das Saugen bewusst zu steuern. Der Saugreflex stellt sicher, dass das kleine Wesen nicht verhungert.

Auch der Rooting-Reflex unterstützt das Baby beim Sattwerden. Wenn du die Wange eines Babys sanft streichelst, dreht es den Kopf in die Richtung, aus der die Berührung kam, und öffnet den Mund. Dieser Reflex hilft dem Baby, die Brust der Mutter oder die Flasche zu finden, wenn es Hunger hat. Auch der Rooting-Reflex verschwindet in der Regel um den dritten bis vierten Lebensmonat, wenn das Baby lernt, gezielt nach der Quelle seiner Nahrung zu suchen.

Wenn du die Hand eines Neugeborenen berührst, wird es deine Finger fest umklammern. Dieser Reflex wird Greifreflex genannt. Babys können mit ihren kleinen Händen so stark zupacken, dass man manchmal überrascht ist!
Auch an den Füßen gibt es einen Greifreflex: Berührt man die Fußsohle, ziehen Babys ihre Zehen zusammen, als wollten sie etwas festhalten. Wissenschaftler vermuten, dass dieser Reflex aus der Urzeit stammt, als Babys sich an ihrer Mutter festhalten mussten, um sicher getragen zu werden. Heute regt er die Muskeln der Hände an und bereitet das Baby darauf vor, später gezielt nach Dingen zu greifen. Der Greifreflex verschwindet meist zwischen dem vierten und sechsten Monat, wenn das Baby beginnt, bewusste Bewegungen zu machen. Das Öffnen der Hand ist übrigens beim Greifreflex nicht vorgesehen. Dies funktioniert erst, wenn das Baby dies bewusst steuern kann.

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Hast du schon einmal gesehen, wie ein Baby plötzlich die Arme ausbreitet, als würde es nach etwas greifen, und sie dann wieder anzieht? Das ist der Moro-Reflex, der auftritt, wenn das Baby sich erschreckt – durch laute Geräusche, plötzliche Bewegungen oder das Gefühl von Haltlosigkeit. Dieser Reflex ist wie ein Schutzmechanismus. In der Natur könnte er dazu gedient haben, dass Babys sich festhalten, wenn sie zu fallen drohen.
Der Moro-Reflex zeigt, wie aufmerksam Babys schon von Geburt an auf ihre Umgebung reagieren. Er verschwindet normalerweise nach etwa drei bis sechs Monaten, wenn das Nervensystem ausgereifter wird.
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Wenn man die Fußsohlen eines Babys leicht berührt, beginnen sie oft, kleine Tretbewegungen zu machen. Dies nennt man Schreitreflex. Manche Wissenschaftler glauben, dass dieser Reflex später beim Laufenlernen hilft. Ein Beispiel dafür: Wenn ein Baby aufrecht gehalten wird und seine Füße eine feste Unterlage berühren, sieht es aus, als würde es winzige Schritte machen.
Dieser Reflex verschwindet nach etwa zwei Monaten, wenn das Baby beginnt, seine Beinbewegungen bewusster zu steuern.

Reflexe sind wie kleine Werkzeuge, die von „automatisch laufenden Apps“ gesteuert werden. Mit diesen nicht bewusst gesteuerten „Programmen“ starten die Kleinen das Leben. Sie helfen ihnen beim Essen, beim Schutz vor Gefahren oder dabei, mit ihren Eltern zu kommunizieren. Sobald sie ausgedient haben, weil das Kind gelernt hat, in seiner Umgebung zu überleben verschwinden sie. Kinderärzte können so auch überprüfen, ob sich ein Baby altersgerecht entwickelt.
Wenn also ein angeborener Reflex im richtigen Alter verschwindet, ist dies ein gutes Zeichen. Babys zeigen uns, wie faszinierend der menschliche Körper von Anfang an ist – und wie viel wir noch lernen können, wenn wir genauer hinsehen.
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