Im Fluss des Lebens
Blut ist weit mehr als eine rote Flüssigkeit. Tag und Nacht erfüllt es lebenswichtige Aufgaben und hält unseren Organismus in Gang. Erst wenn sein fein abgestimmtes Zusammenspiel aus dem Gleichgewicht gerät, wird deutlich, wie unverzichtbar es ist.
Blut – das flüssige Organ
Es transportiert Sauerstoff, Nährstoffe, Hormone und Abfallprodukte, verteilt Wärme im Körper und hilft dabei, Krankheitserreger abzuwehren. Etwa fünf bis sechs Liter Blut zirkulieren im Körper eines Erwachsenen. Mit jedem Herzschlag erreicht es Gehirn, Muskeln, Haut und innere Organe – und verbindet so alle Bereiche des Körpers miteinander.
Eine besondere Mischung
Blut setzt sich aus flüssigem Plasma und verschiedenen Blutzellen zusammen. Rote Blutkörperchen transportieren mithilfe des Blutfarbstoffs Hämoglobin Sauerstoff von der Lunge ins Gewebe. Weiße Blutkörperchen schützen als Teil des Immunsystems vor Krankheitserregern. Die Blutplättchen sind wesentlich an der Blutgerinnung beteiligt. „Schon ein gewöhnliches Blutbild kann wichtige Hinweise auf Blutarmut, Infektionen oder Störungen der Blutbildung geben. Auffällige Werte müssen jedoch immer im Zusammenhang mit den Beschwerden betrachtet werden“, erklärt Prof. Dr. med. Stephan Kanzler, Chefarzt der Medizinischen Klinik 2 am Leopoldina-Krankenhaus.
Lieferdienst ohne Pause
Mit jedem Herzschlag wird Blut durch den Kreislauf gepumpt. Blutzellen leben jedoch nicht unbegrenzt. Rote Blutkörperchen sind etwa 120 Tage im Einsatz. Für kontinuierlichen Nachschub sorgt das Knochenmark, in dem aus Stammzellen sämtliche Arten von Blutzellen entstehen.
Kraftlos
Bei einer Anämie, umgangssprachlich Blutarmut, steht zu wenig Hämoglobin für den Sauerstofftransport zur Verfügung. „Betroffene fühlen sich häufig müde und erschöpft, sind weniger leistungsfähig oder leiden unter Schwindel und Atemnot“, erklärt Prof. Kanzler.
Mögliche Ursachen sind Eisen- oder Vitaminmangel, unbemerkte Blutverluste, chronische Entzündungen oder Erkrankungen des Knochenmarks. Deshalb sollte nicht nur der niedrige Blutwert behandelt, sondern auch seine Ursache geklärt werden.

Schutz mit Augenmaß
Bei Verletzungen bilden Blutplättchen und Gerinnungsfaktoren einen stabilen Wundverschluss. Diese Schutzfunktion erfordert ein genaues Gleichgewicht: Gerinnt das Blut zu wenig, können Blutungen auftreten. Gerinnt es zu stark, drohen Gefäßverschlüsse.
Ein Gerinnsel in einer tiefen Vene wird als Thrombose bezeichnet. Gelangt es in die Lunge, kann es eine Lungenembolie auslösen. Plötzliche Atemnot, Brustschmerzen oder ein einseitig geschwollenes Bein müssen daher umgehend medizinisch abgeklärt werden.
Aus der Reihe getanzt
Bei Leukämien, Lymphomen und anderen bösartigen Bluterkrankungen verändern sich Zellen des blutbildenden oder lymphatischen Systems. Hinweise können anhaltende Müdigkeit, häufige Infektionen, Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust, vergrößerte Lymphknoten oder eine ungewöhnliche Blutungsneigung sein. „Bluterkrankungen umfassen sehr unterschiedliche Krankheitsbilder. Eine genaue Diagnose ist entscheidend, um die individuell passende Therapie festzulegen“, betont Prof. Kanzler.
Gut versorgt
Eine ausgewogene Ernährung unterstützt die Blutbildung, regelmäßige Bewegung den Kreislauf. Bei langem Sitzen fördern Bewegungspausen und ausreichendes Trinken den Blutfluss. Rauchen dagegen schädigt die Gefäße.

Medizinische Klinik 2
Chefarzt:
Prof. Dr. med. Stephan Kanzler
Sekretariat:
Julia Dütsch, Silvia Edenhofner
Telefon 09721 720-2482
Fax 09721 720-2484
E-Mail: [email protected]
