Keine reine Kopfsache
Migräne ist weit mehr als Kopfschmerz: Sie kann Alltag, Beruf, Familie und Lebensqualität stark belasten. Entscheidend ist eine Behandlung, die nicht nur die Attacke, sondern den ganzen Menschen in den Blick nimmt.
Wenn Migräne chronisch wird
Typisch sind pulsierende, oft einseitige Kopfschmerzen, Übelkeit sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit. Manche Betroffene erleben eine Aura, etwa Sehstörungen, Kribbeln, Sprachprobleme oder selten Lähmungserscheinungen.
Weltweit betrifft Migräne mehr als zehn Prozent der Bevölkerung. In Deutschland sind 14,8 Prozent der Frauen und sechs Prozent der Männer betroffen. Bei Männern ist die Migräne vermutlich unterdiagnostiziert, da sie oft noch als „Frauenkrankheit“ gilt und Attacken nicht immer klassisch verlaufen.
Von chronischer Migräne spricht man bei Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen im Monat über mehr als drei Monate – davon an mindestens acht Tagen mit Migränebeschwerden. Rund 9,1 Prozent der Migränepatientinnen und -patienten leiden unter chronischen Kopfschmerzen.
Tipps
Ein regelmäßiges moderates Ausdauertraining, Entspannungsverfahren, ein regelmäßiger Wach-Schlaf-Rhythmus können helfen. Ein Kopfschmerztagebuch unterstützt die Suche nach der passenden Therapie.
„Migräne ist keine Befindlichkeitsstörung, sondern eine ernstzunehmende neurologische Erkrankung. Viele Betroffene versuchen viel zu lange, einfach weiterzumachen – dabei kann eine gezielte Behandlung die Lebensqualität deutlich verbessern“, sagt Dr. Lena Kamski, Chefärztin der Klinik für Spezielle Schmerztherapie.

Schmerz ist mehr als ein Symptom
Akuter Schmerz warnt den Körper. Chronischer Schmerz kann sich dagegen zu einer eigenen Erkrankung entwickeln. In Deutschland leiden rund fünf Millionen Menschen unter schweren chronischen Schmerzen, doch nur ein kleiner Teil wird spezialisiert behandelt.
Bei Migräne wirken Veranlagung, erhöhte Reizempfindlichkeit des Nervensystems, Stress, Schlafmangel, hormonelle Einflüsse oder Begleiterkrankungen zusammen. Auch zu häufige Schmerz- oder Migränemittel können Kopfschmerzen verstärken. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft empfiehlt, Akutmedikamente nicht an mehr als zehn Tagen pro Monat einzunehmen.
Wann sollte Migräne abgeklärt werden?
Ärztlicher Rat ist sinnvoll, wenn:
Behandlung mit mehreren Bausteinen
Die Therapie umfasst Akutbehandlung und Vorbeugung. In der Attacke können Schmerzmittel helfen. Zur Prophylaxe gehören je nach Situation Medikamente, regelmäßiger Schlaf, feste Mahlzeiten, Ausdauersport, Entspannung und Stressbewältigung.
Ein Kopfschmerztagebuch hilft, Muster zu erkennen und die Therapie anzupassen.
„Je genauer wir den Verlauf der Kopfschmerzen kennen, desto besser können wir die Therapie anpassen. Ein Kopfschmerztagebuch ist deshalb oft ein einfacher, aber sehr wirkungsvoller erster Schritt. Häufig kann ein sogenanntes Positivtagebuch im weiteren Verlauf wichtige Rückschlüsse für die Behandlungsstrategie liefern“, so Dr. Kamski.
„Chronische Schmerzen betreffen nie nur eine einzelne Körperstelle.“
Dr. med. Lena Kamski
Gemeinsam gegen den Schmerz
Die Klinik für Spezielle Schmerztherapie des Leopoldina-Krankenhauses behandelt teilstationär und stationär und in einer interdisziplinären multimodalen Schmerztagesklinik. Zu den Schwerpunkten zählen Rücken-, Gesichts- und Gelenkschmerzen, neuropathische, entzündliche und Tumorschmerzen sowie somatoforme Schmerzstörungen. Unter neurologischer Leitung rücken Kopfschmerzerkrankungen wie Migräne, Cluster-, Spannungs- und Kombinationskopfschmerz stärker in den Fokus.
In der multimodalen Schmerztherapie werden medizinische, körperlich-übende und verhaltenstherapeutische Methoden kombiniert. Auch interventionelle Techniken und Akupunktur können zum Einsatz kommen.
„Chronische Schmerzen betreffen nie nur eine einzelne Körperstelle. Sie beeinflussen Schlaf, Stimmung, Bewegung und soziale Teilhabe. Deshalb behandeln wir interdisziplinär – mit einem Konzept, das Körper, Psyche und Alltag berücksichtigt“, erklärt Dr. Kamski.
Migräne muss nicht einfach ausgehalten werden. Ziel ist es, Schmerzen zu lindern und Betroffenen mehr Sicherheit, Aktivität und Lebensqualität zurückzugeben.
Video zum Thema Migräne
Klinik für Spezielle Schmerztherapie
Chefärztin
Dr. med. Lena Kamski
Sekretariat
Katja Beck, Susanne Göb, Gabriele Köhler, Silke Schlotter
Telefon 09721 720-6405
Fax 09721 720-2935
E-Mail: [email protected]
